Pink Program

Liebe Leser

andy

Vom Jahr 2000 bis Anfangs 2007 gab ich die 14täglich erscheinende schwullesbische Programmzeitschrift GayTV/Pink Program heraus. Leider musste ich die Zeitschrift Anfangs 2007 wegen stetig sinkenden Abonnentenzahlen einstellen. Seit Anfang Jahr habe ich nun wieder meine eigene Homepage www.pinkprogram.ch auf welcher ich Euch mit den wichtigsten schwulesbischen TV-Tipps beliefern darf.

 
Mail an andreas@pinkprogram.ch

Hier noch drei Zeitunsartikel aus der Zeit von GayTV/Pink Program

AK – April 2002
Stiller Macher

Alle vierzehn Tage erscheint das schwullesbische Fernsehprogramm “Pink Program” mit Hinweisen auf schwule und lesbische Themen in TV-Sendungen. ak hat Andreas Blum, dessen stillen Macher, besucht.

Im Zug nach Bern blättere ich das rund zwanzig Seiten starke, schwarzweisse A5-Heft durch. Was ist das für ein Mensch, der sich in seiner Freizeit durch unzählige Fernsehprogramme und Internetseiten ackert, um sein eigenes, schwullesbisches TV-Programm zusammenzustellen? Einer, der sucht und schreibt und layoutet und verpackt und verschickt, damit seine AbonnentInnen keine Sendung mit schwulem Inhalt, keinen Film über lesbische Liebe und keine Traverstieshow verpassen?
Ein ruhiger, fast schüchterner Mensch holt mich am Bahnhof ab. Und wenn Andreas Blum spricht, dann in einem leisen, sanften Tonfall. Im Tram stadtauswärts dreht sich das Gespräch um seine Biografie: geboren 1962 in Langnau, Verwaltungslehre, Umzug nach Interlaken, fünf Jahre später zurück nach Bern. Heute ist er Steuerregisterführer in einer Aussengemeinde, ein Full-Time-Job. In der geräumigen Wohnung, die er mit seinem langjährigen Freund und zwei Katzen teilt, wechselt das Thema zu seiner Leidenschaft – zum “Pink Program”.
Andreas Blum ist sichtlich stolz auf sein Produkt. Zuerst waren es nur fünfizig Hefte, die er in der Berner Szene auflegte. Die ersten Abos kamen aus dem Freundeskreis. Die Abonnements nahmen ständig zu, heute sind es rund 170.
Für sein “Pink Program” setzt Andreas jedes zweite Wochenende voll ein – vom Freitag bis Montagabend. Um an die Informationen zu kommen, kauft er sich die aktuellsten Programmzeitschriften, “und dort streiche ich mir alles an, was für Schwule und Lesben interessant scheint”. “Bei Sendungen und Filmen über die ich nichts weiss, suche ich im Internet.”
Neben Recherche und Schreiben erledigt Andreas auch das Layout. Die gedruckten Exemplare packt er selbst ein, etikettiert und verschickt sie.
Und woher hat Andreas die Motivation für diesen Aufwand? “Ich war schon immer ein Fernsehfreak. Was ich früher komsumiert habe, das angesammelte Wissen, kann ich hier brauchen und weitergeben.” Es geht Andreas noch um mehr. Er wolle “einen Beitrag leisten zugunsten der schwullesbischen Community”.
Inzwischen hat ihn der Ehrgeiz gepackt: “Ich möchte im Beruf reduzieren, um das PRogramm noch besser zu machen.” Er räumt ein, dass die Hinweise manchmal noch etwas oberflächlich seien. “Aber ich habe einfach nicht genug Zeit, mich zu vertiefen, das stört mich. Ich will eine Zeitschrift machen, die etwas darstellt.” Und dann ist da noch die Sache mit dem Geld. Andreas möchte, dass die Zeitschrift selbsttragend wird. Letztes Jahr hatte er allerdings noch doppelt so viele Ausgaben wie Einnahmen. “Wenn ich mehr Werbung hätte, würde auch das Erscheinungsbild besser. Vielleicht könnte ich die Ausgaben dann auch farbig gestalten.”
Ans Aufhören denkt der “Pink Program”-Macher nie. Schliesslich sei die Programmvorschau so etwas wie sein Kind – “und für seine Kinder opfert man bekanntlich vieles”. Zum Beispiel fersehschauen. Dazu kommt Andreas Blum ironischerweise nur noch selten. (sf)

GayAgenda – Oktober 2003
Medienkonzern Im Wohnzimmer

Seit 3 Jahren erscheint alle 14 Tage das schwul-lesbische Fernseh-programmheft GayTV. Und auch in Sachen Radio tut sich etwas: Ab November geht «GayRadio» auf RaBe jeden 2. Sonntagabend on air. Dahinter steckt Andreas Blum. Das Portrait eines Macher.

Es ist trüb und kalt. Ich bin auf dem Weg zur Wohnung von Andreas Blum, Verleger und Radiomacher. Ich stelle mich auf einen extrovertierten Menschen ein, geschäftig, mit perfekt gestylter Wohnung. Andreas begrüsst mich sehr herzlich, aber scheu. Die Wohnung lässt sich am ehesten «gut bürgerlich» umschreiben: eine Wohnwand, zwei Katzen – so wohnt jemand, der auf der Steuerverwaltung arbeitet. Damit verdient sich Andreas seinen Unterhalt. Ein Kontrast zu seinen «Hobby-Projekten». Doch Abwechslung macht das Leben süss. Davon weiss der 41jährige ein Lied zu singen: Verwaltungslehre in einem Notariatsbüro, 3 Jahre Reisebüro, Altersheim, 10 Jahre als Behindertenbetreuer. «Eine intensive Zeit, in der ich mich viel mit mir auseinander gesetzt habe». Man hört das schwere Gewicht dieser Aussage, der Burn-Out und damit der Wechsel in die Steuerverwaltung erstaunen nicht.

Mit dem neuen Job, einer glücklichen Beziehung und der gemeinsamen Wohnung ist sein Leben «gesetzt». Wohl das, was einen klassischen Machertypen motiviert, nach Herausforderungen zu suchen. Mit GayTV hat er so eine angenommen. Alle zwei Wochen grast er mit grossem Aufwand die Fernsehprogramme nach schwul-lesbischen Inhalten ab. Die Programmhinweise veröffentlicht er in der Zeitschrift «GayTV» und stellt Auszüge daraus auf www.tvgay.ch zur Verfügung (seit diesem Jahr auch als Online-Abo). Rund 130 Abonnements à 50 Franken das halbe Jahr lassen erahnen, dass sich damit kein Geld verdienen lässt. Unterstützung in jeder Hinsicht ist ihm mehr als willkommen.

Ein schwuler Held?

Draussen drückt die Sonne langsam durch und das Gesicht von Andreas Blum beginnt mit dem Thema GayRadio zu strahlen. Es muss ein Traum in Erfüllung gehen, wenn er ab November seine einstündige Sendung auf RaBe mit dem Lied «Higher» beginnen kann. News, brennende Themen, Hinweise auf Veranstaltungen und natürlich auf das schwul-lesbische TV-Programm füllen die Stunde ab 21 Uhr. Die passende Musik wird nicht fehlen. Neben der Hörer-Hitparade werden Kylie, Madonna und Gloria trällern. Radioerfahrung hat Andreas erst vor 2 Monaten in einem Intensivkurs gesammelt, deshalb ist die Sendung vorproduziert. «Die vielen Regler und meine Nervosität überfordern mich noch ein wenig». Warum ein GayRadio? «Es gibt leider keine Sendungen mehr für uns und wir sollten einen zusätzlichen, aktuellen Kanal haben. Zudem möchte ich mich so noch mehr in die Gay-Community einbringen». Also ein Kandidat für die Auszeichnung «Schwuler Held» beim Rosaroten Adrian? «Ich sehe mich eher als kreativen Schaffer statt Helden».

Unser Gespräch neigt sich dem Ende zu. Ich wage mit ihm einen Blick in die Zukunft. «Selbsttragend sollen meine Projekte werden. Vielleicht kann ich eines Tages davon leben. Beim Radio bin ich glücklich, wenn 5 bis 10 Leute regelmässig zuhören». Bescheidenheit scheint diesem sympathischen Macher eigen zu sein. Draussen muss ich mir eingestehen, den Mann an der Spitze dieses «Medienkonzerns» völlig unterschätzt zu haben. Und die Sonne lacht dazu aus vollem Herzen.
(Tom Glanzmann)

Gay.ch – März 2004
6 Fragen an Andreas Blum, Berner “Schwulen-Held”

Beim Rosaroten Adrian bist du als “Schwuler Held” ausgezeichnet worden. Welche Projekte machst du?

“GayTV” ist ein 14-tägliches schwullesbisches Programmheft, welches bereits im fünften Jahr erscheint, “GayRadio eine schwullesbische Radiosendung, die ich seit November 03 zusammenstelle und moderiere.

Wie oft und auf welcher Frequenz kann man bei GayRadio reinhören?

GayRadio läuft jeden zweiten Sonntag von 21 bis 23h auf Radio Bern (RaBe), zu empfangen in Bern und Umgebung auf 95,6 MHz sowie im Kabelnetz oder im Internet auf www.rabe.ch . Alle GayRadio-Sendungen sind jederzeit im Realaudio-Archiv abrufbar unter www.gay-radio.ch.

Wie viele Personen arbeiten an diesem Projekt?

Den grössten Teil mache ich selber. Seit Oktober 03 hilft eine Kollegin, Nelli Lang mit, welche vorwiegend mit lesbischen Themen zum Heft und zum Radio beiträgt. Sie ist zudem für den Versand der Hefte zuständig. Mein Freund Jörg macht die Buchhaltung. Daniel Frey ist verantwortlich für den Druck des Heftes und die Betreuung der Website von GayRadio, Ralph Werthmüller für die Betreuung der GayTV Homepage.

Wie bist du dazu gekommen?

Ich habe schon als Kind Zeitschriften gemacht. Es war immer mein Traum, eine Radiosendung zu machen. Mit meinem Job in der Steuerverwaltung und einer glücklichen Beziehung in einer gemeinsamen Wohnung ist mein Leben “gesetzt”.

Du betreust beide Projekte nebenberuflich. Wie schaffst du das?

Ich setze mich jedes zweite Wochenende voll ein – vom Freitag – bis Montagabend. Um an die Informationen zu kommen, kaufe ich mir Programmzeitschriften, und dort streiche ich mir alles an, was mir interessant scheint. Das Internet setze ich als Hilfe zu Filmkritiken ein. Leider hat mein Lebenspartner dadurch oft das Nachsehen, da ich weniger Zeit für ihn habe.

Liebäugelst du mit der Selbstständigkeit?

Das ist vorläufig noch ein Traum. Ich stecke momentan sehr viel Geld in meine Projekte, da sie von einer Selbstkostendeckung noch weit entfernt sind.